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18. Oktober 2017
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Minocyclin - ein neues, oral einzunehmendes MS-Medikament

Bereits im Jahr 2002 hatten Wissenschaftler der Abteilungen für klinische Neurowissenschaft, Pathologie und Onkologie der Universität Calgary/Kanada und des Neuroimmunologischen Labors der La Trobe University in Melbourne/Australien von Untersuchungen berichtet, die zeigen, daß Minocyclin als sichere und preiswerte Therapie gegen MS eingesetzt werden kann, sofern die bisher erfolgten Tierexperimente bestätigt würden. Die Überlegungen gingen davon aus, daß MS charakterisiert ist durch Infiltration von Leukozyten in das Zentrale Nervensystem. Gleichzeitig sollte eine Matrix von Metallproteinasen (MMPs) den Durchgang der Leukozyten durch die Matrix-Barriere erleichtern. Hieraus folgte die zu prüfende Hypothese, daß man bei Beeinflussung der MMPs möglicherweise die Nervenentzündung abschwächen könnte. Die Forscher berichteten, daß Minocyclin, ein weithin verwendetes Generikum mit bekannt guter Sicherheit, die Aktivität der MMPs hemmt, die Produktion von MMP-9 reduziert und das Einwandern von Leukozyten durch eine Matrixbarriere abschwächt. Zusätzlich sei Minocyclin wirksam gegen milde und schwere Erscheinungen der Autoimmun-Encephalomyelits (EAE) bei Mäusen, dem Tiermodell der Multiplen Sklerose. Bei Erzeugung der schweren Erscheinungsform der EAE verzögerte eine Vorbehandlung mit Minocyclin den Verlauf der Erkrankung. Währen bei den unbehandelten Tieren die höchste Erkrankungsaktivität auftrat, waren die mit Minocyclin behandelten Tiere relativ normal und hatten nur minimale Anzeichen einer Entzündung und Demyelinisierung im ZNS. Bei Experimenten an Mäusen, die nur geringfügig von EAE betroffen waren, schwächte Minocyclin die schwere klinische Erkrankung während der ganzen Dauer der Behandlung ab.
 
Zwei Jahre später wird aus dem gleichen Institut in Kanada berichtet, dass bei den ersten Versuchen mit MS-Patienten die Aktivität von Läsionen im Gehirn tatsächlich verringert wird. Näheres wird in der Mai-Ausgabe 2004 von Annals of Neurology veröffentlicht. An der randomisierten Studie waren 10 MS-Kranke mit aktiven schubförmigen Verlaufsformen beteiligt, eindeutig gekennzeichnet durch klar definierte Attacken, gefolgt von vollständigen oder teilweisen Remissionen. Jeder Patient wurde zu Beginn der Studie und danach alle 4 Wochen mit MRT untersucht. Dabei wurden die MS-Läsionen auf´Verschlechterung oder Stabilisierung geprüft. "Aus bisher noch unbekannten Gründen leiden die MS-Betroffenen an Fehlfunktionen ihres Immunsystems, das schubförmige Attacken auf das Nervensystem und auf das Myelin auslöst", so Dr. Luanne Metz, Direktor der regionalen  Calgary MS-Klinik. "Derzeitige Therapien  eliminieren die MS nicht vollständig - sie lindern nur ihre Stärke und verlangsamen die Progression. Unsere neuen Forschungsergebnisse aber sind herausragend, da wir entdeckt haben, dass Minocyclin auch beim Menschen die Aktivität von Läsionen im Gehirn signifikant verringert. Diese Ergebnisse bieten uns die Möglichkeit für eine neue und sichere Option zur Behandlung von MS-Patienten. Eine der Teilnehmerinnen der Studie berichtet, sie habe vor der Behandlung mit Minocyclin in Jahresabständen, speziell aber nach Stress-Situationen, mehrere wesentliche Schübe gehabt, nach Teilnahme an der Studie seien ihre Schübe vollständig gestoppt worden. Gegenwärtig arbeiten die Forscher in Calgary an einer neuen Studie zur Ermittllung der Möglichkeiten von Minocyclin, wenn man es mit Glatirameraccetat (Copaxone) kombiniert. Diese Studie wird gegenwärtig von der Teva Neuroscience Kanada angekündigt, der Vertriebstochter der Teva Industries Israel. Die möglichst schnelle Übertragung der Forschungsergebnisse in produzierte Medikamente, hier in Tablettenform, wird von der Canadian Institutes of Health Research vorangetrieben.

Die Forschungen wurden unterstützt von der Alberta Heritage Foundation for Medical Research, vom Canadian Institutes of Health Reasearch, vonTeva Neuroscience Canada und der Multiple Sclerosis Society of Canada. Staatliche Mittel wurden nicht in Anspruch genommen.
 

BRAIN, Journal of Neurology, Vol.125, No.6, 1297-1308, Juni 2002,
Annals of Neurology, Mai 2004

Quelle: Hans W. Leckscheidt

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